In Richtung lifespace

Es gibt viele Gründe, warum Arbeitgeber die aktuelle Funktionalität des Büros genauer betrachten und sich für eine eventuelle Neueinrichtung der Räume entscheiden. Häufig sind diese Maßnahmen vom Wunsch geprägt, die Attraktivität des Arbeitsplatzes zu steigern, um die Talente anzuziehen oder um die Inneneinrichtung mit dem Image des Unternehmens in Einklang zu bringen. Der Forschung zufolge ist das Aussehen des Arbeitsplatzes für 90% der potenziellen Kandidaten wichtig. Die zunehmende Verfügbarkeit flexibler Beschäftigungsformen wie: Home-Office-Arbeit, Coworking Zentren oder Hot Desking-Arbeitsplätze verpflichten uns gewissermaßen Schritte zu unternehmen, die die Attraktivität von Büros erhöhen.

Das Bewusstsein der Arbeitgeber wächst ebenfalls. Sie sind sich der Tatsache bewusst, dass es unmöglich ist, in statischer Position mehrere Stunden auf Hochtouren zu arbeiten. Ein komfortabler Schreibtisch und Stuhl sind in immer noch populären Open-Space-Büros wichtig, aber die Rolle der informellen Räume kann nicht überschätzt werden. Ihre Besonderheit unterstützt die freie Kommunikation zwischen den Mitarbeitern, was zum einen für die Teamarbeit sorgt, zum anderen – bricht die Routine des Alltags ab.

Nicht nur chillout

Der Tischfußball, Hängematten und das Firmen-Fitnessstudio gewinnen in Büroräumen immer mehr an Bedeutung. Ihr Ziel ist es, einen komfortablen Arbeitsplatz für die Mitarbeiter zu schaffen. Solche Betrachtung eines menschenfreundlichen Raums wäre jedoch eine weitgehende Vereinfachung. Das Wesentliche an der Einrichtung von Sozial- oder Chillout-Zonen besteht nicht nur darin, modische Gadgets hineinzustellen, da diese - unabhängig von konkreten Lösungen, die die Erfüllung von Pflichten unterstützen - keine messbare Vorteile bringen. Der Schlüssel zum Erfolg ist daher, die tatsächlichen Mitarbeiterbedürfnissen zu prüfen:
Nicht jeder möchte seine Freizeit mit lauten Spielen und Gesprächen verbringen. Manche Teammitglieder brauchen die Entspannung, manchmal sogar ein Schläfchen. Für sie sind die Ruhezonen besser. Es ist wichtig, dass der Raum den Bedürfnissen aller Benutzer und ihrem Tagesrhythmus entspricht - erklärt Monika Gutmajer-Żmija, MDD-Architektin.
Heutzutage erfordert der beobachtete Übergang von der Konzeption "workplace" zum "lifespace", das Büro nicht nur als Arbeitsplatz, sondern als Raum für die sich während des Tages ändernden Bedürfnisse und die davon resultierenden Aktivitäten zu betrachten. Diese Konzeption berücksichtigt die Vorlieben von Menschen mit unterschiedlichen Temperamenten und Arbeitsstilen. Diese Organisationsform des Bürolebens ist mit der Änderung der Einrichtungskonzeption verbunden: die Grenzen zwischen Zonen verwischen, ungehindertes Bewegen und Eindringen von einzelnen Bereichen ermöglichen.

Kontrollierte Offenheit

Die Büroflächen werden immer offener: sowohl im wörtlichen Sinn, als die Beseitigung physischer Wände, als auch in metaphorischem Sinn, indem man aus einem breiten Spektrum menschlicher Charaktere und Erfahrungen die Nutzen zieht - erklärt Dymitr Malcew, Designer. - Das größte Problem in diesem Fall ist jedoch der fehlende Ort für die Realisation des Potenzials. Wenn wir ein Open-Space als die Basisorganisationsform anbieten, müssen wir Räume mit dem hohen Privatsphäre-Grad als Alternative zur Verfügung stellen. Wenn wir den Menschen gestatten, sich frei zu bewegen und die für sie entsprechenden Bedingungen der effizienter Arbeit zu wählen, fördern wir die Effektivität, Kreativität und kreatives Potenzial. Wir möchten, dass die Menschen auf die mehrstündige statische Arbeit zugunsten der freien Aktivitäten in verschiedenen Orten verzichten.

Die Möglichkeit, die Erfüllungsart der Aufgaben auszuwählen, ist ein wichtiger Aspekt eines zeitgenössischen Lifespace-Büros. Das Erzielen dieses Effekts ist dank der geschickten Zonenverteilung und Bestimmung verschiedener Tätigkeitsbereiche möglich: separate Zonen für die Teamarbeit, Besprechungen, Präsentationen und noch andere für die konzentrierte, konzeptionelle Arbeit. Durch die Reduzierung der physischen Wände, die die einzelnen Räume definieren, übernehmen moderne Büromöbel und Akustikprodukte die kreative Rolle. Sie verleihen die Raumflexibilität und sorgen dafür, dass die Änderungen, die mit dem natürlichen Tages- und Arbeitsrhythmus übereinstimmen, viel einfacher sind.

Auf die Bedürfnisse zugeschnitten

Es existiert nicht nur ein richtiges Modell für die Gestaltung von Mitarbeiterräumen. In Anbetracht der individuellen Lösungen und Anwendungsmöglichkeiten sollte man auf den Besonderheiten des Unternehmens und der Branche basieren und vor allem die tatsächlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter überprüfen.
Bei der Einrichtung von Mitarbeiterräumen versuche ich immer, möglichst viele Informationen über das Unternehmen, seine Geschäftstätigkeit, Entwicklungsrichtungen und seine Strategie zu gewinnen. Relevant ist der Adressat der Räume. Der Charakter des Büros ist hauptsächlich auf die Besonderheit der Teamarbeit und die individuelle Herangehensweise an sehr unterschiedliche Bedürfnisse zurückzuführen. Die Befriedigung der Bedürfnisse scheint das schwierigste Element des gesamten Einrichtungsprozesses zu sein - erklärt Monika Gutmajer-Żmija.
In der allgemeinen Meinung wird es oft fälschlicherweise davon ausgegangen, dass es eine allgemeine Regel gibt – ein vorherrschendes Arbeitsstil von einer bestimmten Abteilung. Es ist leicht, in die Vermutungsfalle zu geraten, dass die IT-Abteilung aus einer Gruppe stiller Menschen besteht, die auf die Bildschirme starren, während die Werbefachleute ständig im inspirierenden Lärm funktionieren. Die Realität ist anders. Innerhalb einer Gruppe kann man die Mitarbeiter mit unterschiedlichen Temperamenten finden: von denjenigen, die ein weites Ausdrucksfeld brauchen, bis hin zu Menschen, die ihre Aufgaben am effektivsten in Ruhe erfüllen. Um die besten Ergebnisse der Zusammenarbeit zu erzielen, lohnt es sich, auf die Vielfalt und autonome Auswahl zu setzen.